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Text des Monats 

ein Versuch, mir wichtige Themen, in Kurzform zu präsentieren ...

 

März 2020

Diesen wunderbaren Satz verdanke ich der Anregung meines Kollegen Michael Seibt aus Tübingen. Und ich kann ihn nur sehr empfehlen, im Sinne eines "inneren Erforschens" in die eigene Auseinandersetzung einzubeziehen:

 Wenn ich mich auf eine einzige Weisheit beschränke, die ich mit ihnen teilen möchte, dann ist es diese (zitiert nach Walter Bock):

Was ist, darf sein!

Und was sein darf, kann sich verändern!

 

 Januar 2020

 In ihrem kleinen Büchlein Vertrauen. Finden, was mich wirklich trägt  beschreibt die bekannte Meditationslehrerin Sylvia Wetzel drei Dimensionen von Vertrauen als

1. Urvertrauen, Gottvertrauen oder Vertrauen ins Leben

2. Vertrauen in andere Menschen

3. Selbstvertrauen oder Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit

Aus einer zutiefst persönlichen und existenziellen Situation entstanden sind die Anregungen zu dem, was wirklich tragen kann:

"Ich begriff nach und nach, dass mir keine objektive Wahrheit Sicherheit geben kann, sondern nur das eigene Gefühl von Stimmigkeit. Und - das war das Schwerste - ich begriff, dass kein Erfolg in der Welt und keine einzige schöne Erfahrung meine Sehnsucht stillen konnten, sondern nur tiefer Seelenfrieden. Ein Frieden, der entsteht, wenn ich alle meine Erfahrungen, angenehme und unangenehme, freundlich und aufmerksam wahrnehmen und annehmen kann. Wie das genau geht, versteht niemand. Ich entdeckte damals und seither immer wieder neu, dass ich mein Leben in all seinen vielen Dimensionen nur annehmen und schätzen kann, wenn ich den Anspruch fallen lasse, es völlig verstehen zu können."

 

Sieben Schritte zu tiefem Vertrauen   

1. Existenzielles Fragen.

2. Individualisierung bzw. Individuation.

3. Vertieftes Spüren des eigenen Leids und als Folge umfassendes Mitgefühl.

4. Die Verinnerlichung des spirituellen Weges.

5. Ein neues Verständnis von Wahrheit.

6. Seelenfrieden als Ziel.

7. Überschreiten des Denkens und der Zugang zum Nichtbedingten.

 

 Existenzielle Fragen, Individualisierung und Mitgefühl

 Erstens: Nach diesem Modell steht am Anfang eines modernen unerschütterlichen Vertrauens eine große Not. Es ist nicht leicht, die eigenen Ansichten und Haltungen zum Leben zu hinterfragen, und das tut niemand freiwillig. Das tun wir nur, wenn die kollektiven Antworten unserer Kultur nicht mehr greifen, uns nicht mehr zufriedenstellen.

 Zweitens: Wenn wir unsere Ansichten ernsthaft und gründlich hinterfragen, machen wir die ersten Schritte auf dem Weg der Individuation, d. h. wir übernehmen Verantwortung für unser Leben, ohne genau zu wissen, wohin uns das führen wird.

 Drittens: Wenn uns kollektive Erklärungen für un­ser Leiden an der Unbeständigkeit und Ungewiss­heit nicht mehr beruhigen und trösten können, sind wir unserem Leiden stärker ausgeliefert. Und erst wenn wir unser eigenes Leiden deutlich spü­ren, ohne es erklären und rechtfertigen zu können, geht uns eine tiefe Wahrheit auf. Dass nämlich die anderen genauso leiden wie wir. Auch die Men­schen, die nicht zu unserer Familie, Sippe, Gruppe, Partei, Religion usw. gehören. Universelles Mitge­fühl kann erst dann entstehen, wenn wir uns unse­rem eigenen Leiden offen und ehrlich stellen.

 Verinnerlichung und Wahrheit, Seelenfrieden und die Grenzen des Denkens

 Viertens: Wenn wir einmal tief erlebt haben, dass uns kollektive Welterklärungen nicht mehr tragen, hört das naive Vertrauen in das, was uns andere erzählen, auf. In einem spirituellen Kontext geht es dann nicht mehr um Vertrauen in äußere Lehren, Priester und Rituale, sondern darum, die Wirkung religiöser Übungen in und an uns selbst zu erleben. Das kann man auch die 'Verinnerlichung der Reli­gion nennen. Übertragen auf politische Ansichten, Weltanschauungen und Lebensphilosophien geht es dann darum, die für gut geheißenen gepredigten Werte so zu verinnerlichen, dass wir sie in unserem Alltag ausdrücken können und uns durch sie ge­tragen fühlen.

 Fünftens: Mit dieser Verinnerlichung einher geht ein neues Verständnis von Wahrheit. Nämlich die Einsicht, dass es keine objektive und fassbare Wahrheit für alle gibt, die man in Worten mitteilen könnte, sondern dass alle Worte und auch alle fassbaren Bilder und Metaphern nur auf eine Di­mension hindeuten können, die jenseits von Wor­ten ist. Damit ist keine unsichtbare Ander- oder Hinterwelt gemeint und auch kein Jenseits, in dem fassbare Götter in einem fassbaren Paradies sit­zen und uns abholen, wenn wir gestorben sind. Sondern die tiefe Erkenntnis, dass Wahrheit größer ist als der Verstand.

 Sechstens: Das neue Ziel ist ein Leben mit Seelen­frieden. Es geht dann nicht um ein anderes Leben in einer anderen Welt mit anderen Gesetzen, son­dern um ein Leben in dieser Welt mit all ihren Unvollkommenheiten. Dazu gehören Leid und Schmerz, die Erfahrung von Unbeständigkeit und Unkontrollierbarkeit, Enttäuschungen über uns und andere usw. Diesen Seelenfrieden können wir nicht erreichen, solange wir glauben, wir könnten das Leben in all seiner Komplexität jemals völlig verstehen und mit Techniken und Maschinen, mit politischen Programmen und Meditationsmetho­den manipulieren.

 Siebtens: Wir finden diesen Seelenfrieden oder dieses unerschütterliche Vertrauen ins Leben erst dann, wenn wir die Grenzen unseres Denkens, von Verstand und Vernunft und unseres tiefen Glau­bens, dass wir unser Leben völlig kontrollieren könnten, entdecken und - gleichzeitig mit Leib und Seele begreifen, dass das Leben unendlich viel mehr ist, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt.

 Die große Zumutung: Zweifel und qualifiziertes Nichtwissen

 Diesem unfassbaren, nie völlig begreifbaren Leben können wir vertrauen, denn es hat uns offensicht­lich bis heute getragen, auch wenn wir nicht ver­stehen, wie das geschieht. Wir dachten vielleicht, wir wüssten, wie man richtig lebt, aber jetzt er­kennen wir mit Leib und Seele, dass wir nur einen Bruchteil verstehen.

Die buddhistische Tradition nennt das Weisheit, man kann es auch qualifi­ziertes Nichtwissen nennen. »Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest ...«, singt Rilke, und der Vers begleitet mich seit Mitte zwanzig. Menschen wie Rilke stärken mein Vertrauen ins Leben, denn ich weiß, er hat viel gelitten und viel gezweifelt und ist doch nicht untergegangen, denn - er hatte unerschütterliches Vertrauen und auch noch die Gabe, das in unsterb­liche Verse zu fassen.

Der hier beschriebene Weg zu einem postmoder­nen Vertrauen ist nicht leicht. Er ist eine Zumu­tung für jeden vernünftig denkenden Menschen. Schon der Weg der Aufklärung mit ihrem Vertrau­en auf die Macht des Verstandes und der Vernunft und der Forderung, auf sich selbst zu vertrauen, war und ist eine Zumutung. Aber er ist möglich.

Quelle: Wetzel, Sylvia (2015). Vertrauen. Finden, was mich wirklich trägt. Scorpio Verlag München

 

 

Dezember 2019

 

 Quelle:

https://www.facebook.com/Soulapp-Nutze-deine-innere-Kraft-556920791033181/

 

November 2019

   Wenn Menschen beginnen über ihre belastenden, erschütternden und oft überwältigenden Themen ihrer Geschichte zu sprechen, geschieht etwas sehr Wertvolles:  wir versuchen dies dann im therapeutischen Dialog zu würdigen als ein Teil ihres Lebens, der da sein darf. Und auch hier gilt mein Wahlspruch für die Begegnung im therapeutischen Kontext:

Heilung geschieht dann, wenn wir „das, was ist“

sehen, akzeptieren und da sein lassen können.

Oliver Schubbe

 

Noch als Ergänzung die Beschreibung einer solchen Situation, in der ein Klient zum Erstgespräch kommt, wie Willi Butollo und Regina Karl es in ihrem Buch „Dialogische Traumatherapie“ beschreiben:

„ … Es ist mir von Anfang an wichtig, nicht in den Fehler zu verfallen, aus Schreck über sein Schicksal zu versuchen, die Wucht dieses Ereignisses kleinzureden. Das Ereignis muss bleiben dürfen, was es ist – riesig, wuchtig, schier übermenschlich.

Therapie soll meiner Ansicht nach niemals versuchen, den Menschen die Einmaligkeit und das seelische Gewicht ihrer Schicksalsschläge zu nehmen. Manche Menschen vermeiden Therapie genau aus dem Grund, da sie fürchten, Therapeuten würden ihnen ihre Trauer, ihr Entsetzen, ihre Verletztheit ausreden wollen. Sie wollen ihr Leid nicht auf Traumasymptome reduziert bekommen, die man wegtherapieren kann, so als wäre dann alles wieder gut.

Menschen mit traumatischen Erfahrungen kämpfen um die Anerkennung ihres Leids. Und dafür, dass dieses Leid ihrem Leben, ihrem Wesen ein Gewicht geben darf, das, würde man es mittels therapeutischer Methoden oder mit medikamentösen Mitteln eliminieren, ihnen einen Teil ihrer Würde nimmt.

Also anerkennen, dass das Erlebte existenziell ist. Die Ausgeliefertheit des menschlichen Seins im Kontakt mit dem Klienten annehmen. Die Abhängigkeit dessen würdigen, der Liebe und Bindung riskiert hat.“

 

Oktober 2019

   Weine, Mutter Erde,
vor lauter Gram über das Leben, das du hervorgebracht.
Du hast das Leben still und verborgen in deinem Schoß gewärmt. Du warst fruchtbar in Millionen Gewächsen. Millionen Tiere spielten auf deiner Haut, im Grün des Grases und in der Tiefe des Ozeans. Eine Unzahl von Vögeln, Faltern und Fliegen ließest du spielen in Wäldern und Wiesen und tanzen in allen Lüften.

Weine, Mutter Erde, vor lauter Gram über die Schande, die der Mensch dir angetan.
Sie haben Raubbau mit den Rohstoffen getrieben, die Jahrmillionen brauchen, um sich in deinem Schoß zu bilden.

In gieriger Hast sind sie daran, dich bis zum letzten auszuplündern und den Reichtum ihrer eigenen Kinder und Kindeskinder zu verprassen.
Weine, Mutter Erde, vor lauter Gram über den Frevel in den der Mensch verfallen.

© Phil Bosmans (1922 - 2012), belgischer Ordenspriester, Telefonseelsorger und Schriftsteller (›der moderne Franziskus‹).
Die Texte von Phil Bosmans liegen in deutscher Sprache im Verlag Herder vor, (c) Verlag Herder GmbH, Freiburg.

 

Die Erde gehört nicht dem Menschen.

Es ist der Mensch, der der Erde gehört.

Alles, was der Erde geschieht, wird den Kindern der Erde geschehen.

(Indianische Weisheit)

 

 

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